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Es ist halt ein Kreuz … Kurze Gedanken zur Tempelberg-Debatte

Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, dass Deutsche sich im Ausland nicht benehmen können. Sie trinken zu viel Bier, tragen Socken in Trekking-Sandalen und dann haben sie auch noch alle Sonnenbrand. Aber nun ist es zu einem Vergehen gekommen, das viele Vertreter*innen der Politik, der Kirchen und der Presse zum Eingreifen gezwungen hat: Man zeigt sich fassungslos, weil die Herren Bedford-Strohm und Marx auf dem Tempelberg ohne Kreuz auf der Brust auftraten; hinsichtlich der Klagemauer äußert man weniger Bedenken. In diesem Beitrag sollen ein paar kurze Gedanken dazu geäußert werden, worum es uns in dieser Debatte gehen sollte und worum nicht. Beginnen wir mit Letzterem.

1. Es sollte nicht darum gehen, Bischöfe zu diffamieren.
Alleine die Wortwahl einiger Artikel tut genau dies: Von „Unterwerfung“ und „Verleugnung“ ist die Rede, davon, „genötigt“ worden oder „umstandslos“ dem Ersuchen der muslimischen Vertreter*innen nachgekommen zu sein. Jan Fleischhauer (Spiegel) möchte sogar dem Foto nicht trauen, auf dem die beiden Kirchenmänner derart entblößt zu sehen sind. Der endgültige Beweis für die Ungeheuerlichkeit des Ereignisses scheint für ihn jedoch darin zu liegen, dass ausgerechnet eine Überschrift der BILD — Michael Wolffsohns „Kirchen-Sensation“ nämlich —, die doch sonst so übertrieben seien, in diesem Falle „den Sachverhalt ganz gut“ treffe. Das Argument: Wenn ein BILD-Titel schon mal sachlich einwandfrei ist, muss es wirklich ganz schlimm zugehen. Dies wiederum, wie Fleischhauers Ausführungen insgesamt, ist leider sehr unsachlich. Selbiges gilt für den Vergleich mit christlichen Märtyrer*innen und Martin Luther: Fleischhauers Griffe in die kirchengeschichtliche Trickkiste verfolgen einzig und allein den Zweck, die Bischöfe als Weicheier darzustellen, die die christliche Sache nicht legitim vertreten haben. Alternative und womöglich wohlwollendere Interpretationen der Jerusalemer Ereignisse sind gar nicht erst gefragt.

2. Es sollte nicht darum gehen, den Islam zu diffamieren.
Fleischhauers Verwunderung über das Bischofs-Foto ohne Brustkreuze löst sich übrigens in Wohlgefallen auf, sobald er sich an den muslimischen Herren in ihrer Mitte erinnert, den er „zu erwähnen vergaß“. Er weist zwar noch darauf hin, dass auch an der Klagemauer auf das Tragen des christlichen Symbols verzichtet wurde, erkennt den Grund aber unterschiedslos in der „Rücksicht auf die Reizbarkeit muslimischer Glaubensvertreter“. Diese Hinweise auf einen intoleranten Islam als Hintergrund des Skandals gipfeln in der im Gestus einer brisanten Enthüllung vorgetragenen These: „Die Entscheidung der Bischöfe, ihr Kreuz abzulegen, ist in Wahrheit eine politische Entscheidung.“ (Hervorhebung: F. S.) Man möchte fragen: Was soll es denn sonst sein?
Natürlich wünschen wir uns friedliche Begegnungen zwischen den Religionen, bei denen niemand auf seine Glaubenssymbole verzichten muss. Natürlich wünschen wir uns — in Deutschland und weltweit — Sozialformen von Christentum, Judentum und Islam, die allen diese positive Religionsfreiheit zugestehen, und Staaten, die diese Sozialformen tragen. Religiöse Intoleranz aber sollten wir ablehnen, und zwar egal, von welcher Seite sie kommt.

3. Es sollte darum gehen, was Religionsfreiheit wert ist.
Dennoch darf man nicht aus den Augen verlieren, dass der Zweck der Religionsfreiheit darin besteht, dass wir friedlich miteinander leben können. Bedauerlicherweise durften die Bischöfe an den heiligen Stätten von Judentum und Islam keine christlichen Symbole tragen. Um der friedlichen Begegnung willen haben sie also ihre Kreuze abgelegt. Könnte das vielleicht eine kluge politische Entscheidung sein, die dennoch keinen Ausverkauf der Religionsfreiheit bedeutet, da sie demselben Zweck dient?
In Deutschland hoffen wir, die Zeiten, in denen Religion einem friedlichen Beisammensein im Wege stand, hinter uns gelassen zu haben. Wir können Toleranz. Und wenn bei uns Angehörige des anderer Religionen die Theatertinerkirche besuchen möchten, dürfen Kippa und Kopftuch auch mitkommen (soweit ein anderes Argument Fleischhauers, der aber mal wieder nur an einen muslimischen Besucher denkt). Gefühlt ist die Christliche-Abendlands-Rhetorik nicht mehr weit entfernt. Aber tun wir uns wirklich so leicht mit der Religionsfreiheit, besonders mit der positiven, mit jener also, die sich Ausdruck verschaffen möchte? Auch wir führen doch ständig Debatten über die Möglichkeiten und Grenzen von Religionsfreiheit, über Karfreitags-Tänze und Kopftücher im Gerichtssaal.
Man könnte nun im neuerlichen Eintreten für die Präsenz christlicher Symbole in der Öffentlichkeit, oder zumindest: an bestimmten Stellen der Öffentlichkeit, den Startschuss für die Rückkehr der Religion in das Herz der Gesellschaft vermuten. Doch bleibt der kleine, aber stechende Zweifel, dass sich der Eifer der Kommentator*innen mehr aus der konkreten Konfrontationssituation von Christentum und Islam speist als aus dem Anliegen, das Einstehen für die eigene Glaubensüberzeugung wieder gesellschaftsfähiger zu machen. Es bleibt der Wunsch, dass ein wenig  der neu entdeckten Begeisterung für sichtbare Religionszugehörigkeit erhalten bleibt. Doch wäre es schön, wenn es in kommenden Debatten dann wirklich um die Sache ginge. Die Sache heißt nicht: Böse Bischöfe, noch böserer Islam. Die Sache heißt: Religionsfreiheit. Um des lieben Friedens willen.

Fällt aus wegen is nich

Das war’s dann. Ich fliege doch nicht – krank.

Seid so gut und schickt keine Nachfragen und Beileidsbekundungen. Das meine ich nicht böse, aber fertig mit der Welt bin ich sowieso und jetzt versuche ich einfach, mich damit abzufinden.

Danke trotzdem für Euer Interesse und herzliche Grüße

Franca

Pilotfolge

Liebe Freundinnen und Freunde der gehobenen Unterhaltung,

ich weiß zwar nicht, was Euch als solche auf diese Seite gebracht hat, begrüße dennoch nicht weniger herzlich zur zweiten Runde dieses Blogs.

In weniger als einer Woche tausche ich wieder vorläufig Strickmütze gegen Kopftuch, Mensa-Food gegen Falafel und Münsterglocken gegen Muezzin. Die Reise allein wird vermutlich abenteuerlicher als zuletzt: Easyjet ruft. Und das mir, die ich sowieso semi-gern fliege. Aus der Laune einer merkwürdigen Prioritätensetzung heraus empfand ich es dennoch als ausgesprochen vertretbar, Komfort für 200 gesparte Euro gegen Todesangst (und weniger hübsche Stewardessen, was mich aber eher kalt lässt) einzutauschen. Daher Easyjet. Was man nicht tut als Student.

Bereits zu diesem Zeitpunkt kann ich von der – und ich glaube selbst kaum, dass dieses Wort hier Verwendung findet – Gefühlsachterbahn der vergangenen Wochen berichten. Qassam-Raketen hier, Bombardierung dort, zwischendurch Terror, neuer UN-Beobachterstatus, dafür bauen wir jetzt aber noch mehr Siedlungen… Maaaaann, Kinder, reißt Euch halt bissle z’samme, gell? Gedanklich war mein Flug schon fast storniert. Lustige Geschichte am Rande: In einem Anflug von Vorsicht-ist-der-Porzellankiste-seine-Mutter-Mentalität hatte ich bei der Buchung meines Flugs eine Reiserücktrittsversicherung abgeschlossen. Diese greift im Kriegsfall … *Trommelwirbel und ein dreifaches Jerusalem Alaaf auf Easyjet* … NICHT! Wisster bescheid.

Zum Aufwärmen ein Bildchen verknüpft mit einem Anekdötchen und einem Weisheitchen: Am Tag des Flug-Buchens floss der Alkohol vor lauter Freude schon vor dem Abendessen nicht zu knapp. Nebst weiterem Anstieg der Stimmung setzte dieser Vorgang enorme Kreativ-Kräfte frei und unsere Wohnung erfuhr eine dekorative Umgestaltung. Zitat: „Ich wollte schon immer mal was mit ’nem Lippenstift auf ’nen Spiegel schreiben!“ Gesagt, getan. Seither ziert dieser Schriftzug unseren Badezimmer-Spiegel:

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Die dazu passende Weisheit lautet: Betrunkene sagen immer die Wahrheit. Oder: Frisch gewagt ist halb gewonnen. Oder: Bier vor vier. Oder: Tine Wittler ist Alkoholikerin. Bin mir selbst noch nicht sicher, aber irgendwas davon wird schon stimmen.

Weil es bis hierher unfassbar witzig war, habt Ihr jetzt alle so richtig Lust, in den kommenden Wochen diesen Blog zu verfolgen, wa? Bald finden sich hier noch mehr Lach- und Sachgeschichten, dann direkt aus Israel.

So, da war sehr viel Text mit sehr wenig Inhalt. Daher im Folgenden ein Abstract (sprich: Ääpsträäkt, nicht schwäbisch: Abschdraaaagd) für alle, die das nicht ganz lesen wollen und für meine (in verschwindend geringer Anzahl vohandenen) englischen Freunde uuuund natürlich, weil man das im wissenschaftlichen Bereich naserümpfend so handhabt und überhaupt und so:

Franca goes Israel! Season 2! Coming Soon! Yeeeeeehaw!

Ich ganke vielmals für die Lektüre dieses überaus spannenden Beitrags und drüße herzlich

Franca

Der Jerusalem-Virus

…hat mich ja bekanntermaßen ziemlich übel erwischt. Es handelt sich dabei um eine Krankheit, mit der man gerne andere ansteckt – und zwar tatsächlich, weil man ihnen Gutes will. Ich habe in den vergangenen Wochen und Monaten mein Bestes gegeben, das zu tun. Ob das von Erfolg gekrönt sein wird, kann sich beispielhaft künftig auf dieser Seite nachvollziehen lassen, die auch unter der Linkliste rechts zu finden ist. Ab spätestens Mitte August dürfte dort regelmäßig für Lesestoff gesorgt sein. Allein das Titelbild verheißt den Erkrankten und solchen, die es werden wollen, schöne Momente:

Auch für Leser dieses Blogs gibt es unterdessen gute Nachrichten: Die lange versprochene Verlängerung wird wohl doch kommen müssen – das bringt auch eine gute Nachricht für die Autorin mit sich. Im Dezember fliege ich gen Südosten, um den neuen Studienjährlern ein Besüchlein abzustatten. Dann gibt es sicherlich wieder viel zu erzählen und unzählige Bilder zu zeigen 🙂

Viel Spaß beim Annika-in-Jerusalem-Verfolgen!

Eure Franca

Ich bin zurück!

Für alle, die es noch nicht mitbekommen haben – seit gestern bin ich wieder in Deutschland und habe derzeit noch Schwierigkeiten damit, mich hier zurecht zu finden. Bei der Landung in München dachte ich nur: Warum bin ich hier? Ich will gar nicht hier sein!

Jetzt trinke ich mit Familie und Freunden Willkommens-Sekt und versuche, mich langsam aber sicher an den Gedanken zu gewöhnen, dass es vorbei ist. Soweit ich auf die 20 Jahre und 360 Tage meines bisherigen Daseins zurückblicken kann, fällt mir zu den Monaten in Israel nur folgendes ein: Das war die Zeit meines Lebens!

Ich melde mich bald noch mit letzten Fotos aus Jerusalem und Kairo… Gute Nacht!

Leaving on a Jet Plane

Ich weiß eigentlich nicht, was ich unter diesen Titel schreiben soll. Vielleicht mal so viel: Es ist vorbei. Ich kann’s nicht fassen!

Meinen letzten Abend habe ich in der Abtei verbracht.

Vesper, Abendessen, Rekreation, Komplet.

Schweren Herzens aber voller Dankbarkeit trete ich morgen die Reise zurück nach Deutschland an – Dankbarkeit für ein Studienjahr, das viel Kraft gekostet hat und in dem ich viel gelernt habe. Dankbarkeit für das Zusammenleben mit Studenten, die mich besser kennengelernt haben, als mir und ihnen lieb sein kann und mich irgendwie ertragen haben. Dankbarkeit für Blogleser, die mich dazu ermutigt haben, alles Erlebte auf diese besondere Art und Weise zu verarbeiten. Dankbarkeit für ein paar lustige Mönche in schwarzen Bademänteln, die mir gezeigt haben, was „Leben mit Christus“ bedeutet, die einfach immer da waren, die mich ge- und ertragen haben. Dankbarkeit für eine strahlende Stadt, die sich selbst für göttlich hält und dabei das Menschlichste und Unvollkommenste ist, was ich jemals gesehen habe.

Da ich gerade nur noch flennen könnte, schließe ich diesen kurzen Eintrag mit einem kleinen Gute-Laune-Macher in fester „Ich komme wieder“-Überzeugung:

Der aktive Teil

Stolz hatte ich ja schon berichtet, dass wir in Tabgha nicht nur auf der faulen Haut lagen. Jetzt kommt der Fotobeweis. An einige alte Stätten bin ich zurückgekehrt und konnte teils sogar die eigenen Spuren feststellen, dazu später mehr 😀 Doch auch das ein oder andere Neue war dabei. Das erste Bild ist ein gutes Beispiel: Diese Statue vor der Primatskapelle feiert Premiere im Blog:

„Weide meine Schafe!“ Na dann weide mal, lieber Petrus…

Der Blick auf den Arbel.

Ein Fenster der Primatskapelle.

Pilgerhobby: Kerzen anzünden. Mache ich übrigens auch gerne 🙂

Neu war bei diesem Galiläa-Aufenthalt auch der Weg zu einem bekannten Ziel – zum Berg der Seligpreisungen. Letztes Mal entlang der Bananenstauden, dieses Mal die etwas steilere Variante zwischen Olivenhainen und Feldern. Trotz der sicherlich 35 Grad in der Mittagshitze mal wieder ein mehr als lohnender Aufstieg.

Panorama-Blume 😀

Das Ziel schon vor Augen. Bilder vom Inneren der Kirche muss ich wohl nicht nochmal zeigen, so schön ist es ja dann doch nicht… Oben gab’s vor dem Abstieg lecker Eis.

Am Mittwoch folgte dann ein Besuch der hässlichsten Stadt Israels, die aber immerhin schön am See liegt – Tiberias. Ich habe mich trotzdem an anständigen Bildern versucht.

Die schönste Straße der Stadt, schätzungsweise ganze 50 m lang. Dort haben wir aber immerhin den besten Kaffee der letzten acht Monate getrunken.

Der „Hafen“, wo man sich entweder in ein wenig vertrauenerweckendes Passagierschiffchen setzen oder bei schlecht gelaunten Israelis ein Motorboot mieten kann. Mein erster Bootstrip auf dem See lässt noch auf sich warten…

…denn auch diese Hotline wollte ich nicht anrufen, um eines der berühmten Halli-Galli-Extase-Worship-Boats zu mieten. Man braucht ja Gründe, um wiederzukommen!

Ein altes Minarett, das wir mit dem Studienjahr doch tatsächlich nicht besichtigt haben… Da bin ich doch fast ein bisschen enttäuscht.

Auch diese Ex-Moschee haben wir nicht angeschaut. Tragisch, tragisch. Aber wofür hat man Freizeit… In Tiberias gibt es übrigens auch einen der wenigen ausgewiesenen „Bade“-„Strände“: Ein ca. 15 m langer und 2 m breiter Küstenstreifen, an den sich ein nicht viel größeres abgetrenntes Becken des Sees anschließt. Leider hatte ich meinen Bikini nicht dabei. Aber wenn ich das Schild richtig verstanden habe, dürfen da sowieso nur besoffene Chinesen mit Sonnenschirm baden…

Oder wie würdet Ihr das Bild in der Mitte interpretieren?

Der Berg der Seligpreisungen blieb übrigens nicht der einzige, den wir erklommen haben. Wer erinnert sich an den Berg Berenike? Das Studienjahr sicherlich, sehr aufmerksame Leser dieses Blogs möglicherweise auch. Nicht nur Israel hat Spuren beim Studienjahr hinterlassen, sondern auch umgekehrt:

Ja, das ist jene berühmte Kurve, die einst nicht nur den Sindbad mit Kamal am Steuer, sondern auch einen Abschleppwagen in die Knie gezwungen hat… War schön, wieder da zu sein. Der Weg birgt noch anderes mäßig Angenehmes.

Diesem süßen, knapp 2 m langen Tierchen wollten wir dann lieber doch nicht zu nahe kommen.

Dieses hingegen wollte uns süßen, knapp 2 m langen Tierchen nicht zu nahe kommen 😉

Warum blüht’s in Deutschland nie so schön? Lila Diskokugel-Blumen, Wahnsinn.

Der Ausblick war’s mal wieder wert.

Was an diesem Foto so toll sein soll, muss ich vermutlich kurz erklären. Wer Adleraugen hat (oder das Bild anklickt) erkennt oberhalb der Berge am See durch den Dunst ein weiteres Bergmassiv, das sogar schneebedeckt ist – den Hermon.

Das war Galiläa. Heute habe ich meine Abschiedstour durch Jerusalem gemacht. Es ist in wenigen Stunden sooo viel passiert. Das war einer der schönsten Tage, die ich bisher in Jerusalem hatte. Berichte und Bilder gibt’s möglicherweise morgen oder aber – dank des Pack-Stresses – Anfang nächster Woche aus Deutschland. In 48 Stunden sitze ich im Flugzeug, der Countdown läuft!